Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Angebotsprüfung. Die genannten Spannen beruhen auf öffentlich verfügbaren Marktdaten und auf Projekten, die wir selbst umgesetzt haben. Was ein konkretes Vorhaben kostet, hängt vom Umfang ab. Die Quellen sind am Ende vollständig aufgeführt.
Eine produktionsreife KI-Anwendung kostet im Mittelstand 2026 je nach Anwendungstyp meist 15.000 bis 80.000 Euro, ein klar abgegrenztes Pilotprojekt 12.000 bis 25.000 Euro. Dazu kommt der laufende Betrieb mit typischerweise 500 bis 5.000 Euro pro Monat.
Die häufigste Frage in einem Erstgespräch über eine KI-Anwendung ist nicht, welches Modell zum Einsatz kommt. Sie lautet: Was kostet das? Und die häufigste Antwort ist "das kommt darauf an", eine Antwort, die niemandem hilft, der intern ein Budget beantragen muss.
Dieser Artikel nennt Zahlen. Er ordnet ein, welche Größenordnungen für welche Art von Anwendung realistisch sind, woraus sich die Kosten zusammensetzen, welche Positionen in Angeboten regelmäßig fehlen, und woran sich ein unrealistisches Angebot erkennen lässt, nach oben wie nach unten.
Warum die Frage 2026 anders beantwortet wird als 2023
Zwei Entwicklungen haben die Kalkulation verschoben.
Die erste ist struktureller Natur. Der KfW-Mittelstandspanel (KfW Fokus Nr. 533, Februar 2026, n≈6.800) zeigt, dass rund 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen zwischen 2022 und 2024 KI eingesetzt haben, etwa 780.000 Firmen und das Fünffache des Werts von 2016–2018. Entscheidend ist aber nicht die Zahl, sondern die Richtung: Der Anteil selbst entwickelter Lösungen sinkt, der Anteil zugekaufter und beauftragter Lösungen steigt. Der Mittelstand baut KI nicht mehr selbst. Er lässt bauen.
Die zweite ist Ernüchterung. Laut S&P Global haben 2025 rund 42 Prozent der Unternehmen die Mehrzahl ihrer KI-Initiativen wieder eingestellt. 2024 waren es 17 Prozent. Das verändert die Erwartung an ein Angebot: Nicht mehr "was ist technisch möglich", sondern "was ist in Wochen produktiv und was kostet es verbindlich".
Beides zusammen erklärt, warum Festpreise in diesem Markt zunehmend erwartet werden. Ein Zeit-und-Material-Vertrag überträgt das Risiko der Fehleinschätzung vollständig auf den Auftraggeber, genau das Risiko, das 42 Prozent gerade erlebt haben. Woran sich ein verbindlicher Festpreis von einer Schätzung unterscheidet, steht im Detail in Festpreis oder Time-and-Material.
Die vier Kostenblöcke
Ein belastbares Angebot lässt sich in vier Blöcke zerlegen. Wer ein Angebot prüft, sollte alle vier wiederfinden.
1. Discovery und Abgrenzung. Festlegen, welcher Prozess automatisiert wird, woher die Daten kommen, wie das Ergebnis gemessen wird und welche Fälle ausdrücklich nicht zum Umfang gehören. Typisch 5 bis 15 Prozent des Projektvolumens. Fehlt dieser Block im Angebot, ist der Festpreis kein Festpreis, sondern eine Schätzung, die später korrigiert wird.
2. Datenaufbereitung. Regelmäßig der unterschätzte Posten. Dokumente liegen als gescannte PDFs vor, Stammdaten in drei Systemen mit abweichenden Bezeichnungen, das ERP hat keine brauchbare Schnittstelle. Die KfW nennt unzureichende Datengrundlagen als eine der Haupthürden, und in der Praxis entfallen auf diesen Block bei Dokumenten-Anwendungen häufig 20 bis 35 Prozent des Aufwands.
3. Entwicklung und Integration. Die eigentliche Anwendung: Oberfläche, Fachlogik, Anbindung an ERP, DMS oder CRM, Rechte- und Rollenkonzept, Tests.
4. Betrieb. Hosting, Modellkosten, Monitoring, Wartung, Weiterentwicklung. Laufend, nicht einmalig: typischerweise 500 bis 5.000 Euro monatlich, abhängig von Nutzungsvolumen und Hosting-Modell. Ein Angebot ohne diesen Block ist unvollständig.
Realistische Preisspannen nach Anwendungstyp
Die folgenden Spannen fassen Marktbenchmarks für den DACH-Raum zusammen. Sie beziehen sich auf produktionsreife Anwendungen, nicht auf Prototypen.
Anwendung | Übliche Spanne | Zeitrahmen |
|---|---|---|
Wissensassistent auf eigenen Dokumenten (RAG) | 15.000–40.000 € Entwicklung; sinnvoller Einstieg 25.000–60.000 € | 4–10 Wochen |
Dokumentenautomatisierung (Rechnungen, Aufträge, Anfragen → ERP) | 25.000–70.000 € | 6–12 Wochen |
Angebots- und Ausschreibungsautomatisierung | 30.000–80.000 € | 8–14 Wochen |
Kundenservice-Triage (E-Mail, Ticket-Routing) | 20.000–50.000 € | 5–10 Wochen |
Pilotprojekt, ein Anwendungsfall, klar abgegrenzt | 12.000–25.000 € | 3–6 Wochen |
Zur Einordnung der Stundensätze: Freiberufliche IT-Spezialisten im DACH-Raum liegen im Mittel bei 103 bis 105 Euro pro Stunde, Senior-Entwickler über Agenturen bei 90 bis 140 Euro. Ein klassisches schlankes MVP wird mit 14.000 bis 50.000 Euro bei 4 bis 8 Wochen angesetzt, ein typisches Mittelstandsprojekt mit 40.000 bis 120.000 Euro.
Woran sich ein unrealistisches Angebot erkennen lässt
Nach unten. Unter etwa 10.000 Euro ist eine produktiv eingesetzte KI-Anwendung mit Datenanbindung, Rechtekonzept und Betrieb rechnerisch nicht darstellbar: bei 100 Euro Stundensatz sind das rund 100 Stunden für alle vier Kostenblöcke zusammen. Angebote in dieser Größenordnung beschreiben in aller Regel einen Prototyp. Das kann genau richtig sein, sollte aber so benannt werden, denn ein Prototyp geht nicht in Betrieb.
Nach oben. Sechsstellige Angebote für einen einzelnen abgegrenzten Anwendungsfall sind erklärungsbedürftig. Die Frage lautet dann nicht, ob der Preis zu hoch ist, sondern welcher der vier Blöcke ihn treibt. Meist ist es Block 2, und dann gehört die Datenaufbereitung als eigenes, vorgelagertes Vorhaben mit eigenem Ergebnis beauftragt.
Unabhängig vom Preis. Fehlt eine Aussage darüber, wem der Quellcode nach Abnahme gehört, ist der genannte Preis nicht der Gesamtpreis. Ohne Code-Übergabe entsteht eine Abhängigkeit, deren Kosten erst bei der ersten Änderung sichtbar werden.
Was der Preis nicht abbildet: Recht und Hosting
Zwei Themen entscheiden im Mittelstand häufiger über den Zuschlag als der Preis.
DSGVO. 69 Prozent der Unternehmen nennen Datenschutz als Hemmnis beim KI-Einsatz. Praktisch heißt das: Auftragsverarbeitungsvertrag, dokumentierter Verarbeitungszweck, EU- oder Deutschland-Hosting, und eine ausdrückliche Zusage, dass Unternehmensdaten nicht in das Training von Modellen einfließen. Diese Punkte gehören in das Angebot, nicht in eine spätere Anlage.
EU AI Act. 53 Prozent nennen rechtliche Unsicherheit als Hemmnis. Für die meisten internen Anwendungen ist die Einordnung unspektakulär: Wissensassistenten und Dokumentenautomatisierung fallen typischerweise in die Kategorien mit minimalem oder begrenztem Risiko, und das beauftragende Unternehmen ist Betreiber mit entsprechend leichten Pflichten. Anders liegt es bei Anwendungsfällen nach Anhang III: Personalauswahl, Kreditwürdigkeit und vergleichbare Entscheidungen über Personen. Deren Pflichten greifen nach der Verschiebung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 erst ab dem 2. Dezember 2027; die Transparenzpflichten des Artikel 50 gelten dagegen bereits seit dem 2. August 2026. Was davon heute konkret gilt, steht in EU AI Act: Was seit August 2026 für Unternehmen wirklich gilt. Eine Einordnung gehört in die Discovery-Phase, nicht ans Projektende.
Der Kostenpunkt dahinter: Wird beides von Anfang an mitgeführt, ist es Teil des Festpreises. Wird es nachgezogen, ist es ein eigenes Projekt.
Souveränität als Preisfaktor
Ein Befund, der die Kalkulation direkt betrifft: 93 Prozent der Unternehmen, denen das Herkunftsland ihres KI-Anbieters wichtig ist, würden KI aus Deutschland bevorzugen (Bitkom 2025; wichtig ist die Herkunft 88 Prozent der Befragten). 37 Prozent würden für eine ausschließlich deutsche Datenverarbeitung mehr bezahlen, und 80 Prozent wünschen sich ausdrücklich deutsche oder europäische Alternativen (Bitkom, Digitale Souveränität 2025).
Für die Budgetplanung heißt das: EU-Hosting ist kein Aufpreis, den man wegverhandeln sollte, sondern in vielen Häusern die Voraussetzung dafür, dass die Anwendung überhaupt freigegeben wird.
Prüfliste für ein eingehendes Angebot
Sind alle vier Kostenblöcke (Discovery, Daten, Entwicklung, Betrieb) einzeln ausgewiesen?
Ist der Preis vor Projektbeginn verbindlich, oder ist es eine Schätzung?
Steht ausdrücklich im Angebot, was nicht zum Umfang gehört?
Wann ist die erste lauffähige Version zu sehen, in Wochen oder in Monaten?
Wem gehört der Quellcode nach Abnahme, und wird er übergeben?
Wo werden die Daten verarbeitet, und liegt ein AV-Vertrag bei?
Ist eine Einordnung nach EU AI Act Teil der Discovery?
Was kostet der laufende Betrieb pro Monat?
Was passiert nach der Abnahme: gibt es einen Zeitraum für Fehlerbehebung?
Ein Angebot, das diese neun Punkte beantwortet, ist vergleichbar. Eines, das sie nicht beantwortet, ist es nicht, unabhängig davon, welche Zahl darauf steht.
Wie wir das handhaben
re-entry ist eine KI-App-Fabrik in Deutschland. Wir nennen den Preis vor Projektbeginn, zeigen die erste lauffähige Version innerhalb von zwei Wochen und übergeben das vollständige Repository. Es liegt ab dem ersten Tag in Ihrer GitHub-Organisation. Der Pilot-Build liegt bei 14.900 Euro für drei Wochen, der Produktions-Build bei 49.000 Euro; Hosting in der EU und der Auftragsverarbeitungsvertrag sind enthalten.
Möglich ist das, weil ein großer Teil der Umsetzung von überwachten Coding-Agents erledigt wird, während erfahrene Entwickler jeden Merge prüfen. Das ist unser Kostenmodell, nicht unser Verkaufsargument. Sie kaufen eine Anwendung zu einem festen Preis, kein KI-Experiment.
Quellen
KfW Fokus Nr. 533, Februar 2026: KfW-Mittelstandspanel zur KI-Nutzung
Bitkom, KI-Studie 2025 und 2026
Bitkom, Digitale Souveränität 2025
Horváth, KI-Budgets im Mittelstand
S&P Global, 2025, zur Einstellungsquote von KI-Initiativen
Fraunhofer IAIS, Angebots- und Ausschreibungsautomatisierung
artificialintelligenceact.eu: Risikoklassen des EU AI Act
Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus): verschobene Hochrisiko-Fristen, siehe EU AI Act: Was seit August 2026 gilt
